Wer kennt das nicht: Wir sind im Feriencamp – drei Wochen Abenteuer! Alles ist neu und aufregend, sogar die banalsten Dinge – absolut spannend. Und jetzt ist es tiefe Nacht. Alles schläft, und irgendeine Uhr schlägt. Zwölf mal. Dann geht die Hölle los! „Huhu-huhu“ tönt es dumpf, irgendwelche Lichter flackern über die Wände, weiße Gestalten tanzen herein, nähern sich bedrohlich – Gekreisch, Gerenne, Angstlust – Riesenwirbel!
Warum sind Gespenster zum Fürchten? – Ja, sie haben kein Gesicht, auch keine klare Gestalt. Man weiß nicht, was in ihrem Inneren steckt. Sie weinen und heulen, denn es sind büßende Seelen. Gespenster sind jedenfalls gefährlich.
Dieser Tage nun sind jede Menge Gespenster in den Medien zu beobachten, am hellen Tag und meist in Blau. Sie haben kein Gesicht. Ihre Gestalt ist unklar. Und sie büßen. Offenbar sind sie gefährlich.
Gefährlich für Männer, die nie lernen durften, ihre Maskulinität anders zu leben als ein Vieh, weshalb man alle Frauen zu Zuchtvieh degradiert, das einen Besitzer hat.
Gefährlich für jene reduzierten Un-Wesen, die ihre Macht nur aufrecht erhalten können, wenn sie das Leben auf ihr eigenes Maß reduzieren. Gefährlich ist die Güte, die Freundlichkeit, Musik und Tanz, Kunst und Kultur, das Wissen und die Fröhlichkeit.
Dass der Anfang unserer Arbeit gerade mit dem zweiten Jahrestag der ultimativen Katastrophe Afghanistans zusammenfällt, war nicht geplant. Es zeigt aber, dass garnicht genug über solche Themen geschrieben und geredet werden kann, weil sonst nichts Wesentliches passiert. Wer denkt in zwei Wochen noch daran?
Im Übrigen ist es notwendig und wichtig darauf hinzuweisen, dass auch afghanische Männer ganz normale Menschen sind. Sehr viele leiden unter den Umständen und sind am Verzweifeln, denn genau wie alle ganz normalen Menschen lieben sie Güte und Freundlichkeit, Musik und Tanz, Kunst und Kultur, das Wissen und die Fröhlichkeit.
Von Herzen grüßt
Veronika