Ich habe in meinem Bekanntenkreis junge Menschen gebeten, mir unter Wahrung ihrer Anonymität Auskunft zu geben über die Eckdaten ihrer Flucht und ihrer ersten Zeit in Österreich. Dafür musste man diesen Fragebogen ausfüllen:
1. Dein Name:
2. Dein Heimatland:
3. Von welchem Land aus bist du allein weggegangen?
4. Wie alt warst du da?
5. Wie lange warst du unterwegs?
6. Wie lange musstest du in Österreich auf dein erstes Interview warten?
Manche wollten das nicht, aus Misstrauen, oder weil sie gerade versuchen, diesen schlimmen Lebensabschnitt so gut wie möglich aus ihrem Bewusstsein zu verdrängen.
15 Jugendliche, bzw. junge Männer haben sich bereit erklärt.
Das ist die Auswertung:
Frage 1: Ich kenne die Auskunftgeber persönlich. Ihre Namen werden aber aus verständlichen Gründen nicht veröffentlicht.
Frage 2: Neun der Befragten stammen aus Syrien, sechs aus Afghanistan.
Frage 3: Vier Afghanen und fünf Syrer haben den ganzen Weg von ihrer Heimat bis nach Österreich allein bewältigt. Die Übrigen waren entweder vom Iran oder von der Türkei aus auf sich allein gestellt.
Frage 4: Das Durchschnittsalter der Buben zu Beginn ihrer unbegleiteten Flucht betrug 15,47 Jahre. Die drei Jüngsten waren 13, die vier Ältesten 17 Jahre alt.
Frage 5: Sie waren im Durchschnitt 7,73 Monate unterwegs. Die längste Flucht dauerte zwei Jahre, die kürzeste immerhin einen ganzen Monat.
Frage 6: Hier geht es um die Zeit, während der in Österreich ein geflüchteter Mensch nicht weiß, ob er bleiben darf oder gleich wieder zurückgeschickt wird, und in der sich kaum jemand über die absoluten Grundbedürfnisse hinaus um ihn kümmert. Es wird auch kein Unterschied gemacht, ob da Erwachsene oder Kinder, Frauen oder Männer warten.
Sieben der Befragten wissen bereits, dass sie hier bleiben. Die durchschnittliche Wartezeit betrug 17,75 Monate; die längste drei Jahre, die kürzeste 11 Monate. Die übrigen acht warten noch, die längste Zeit bis jetzt beträgt zwei Jahre, die kürzeste auch schon fünf Monate.
Es ist wohl nicht viel Phantasie nötig, um sich auszumalen, was diese Behandlung nach einer langen, beschwerlichen und lebensgefährlichen Flucht für einen Einfluss auf die Entwicklung und die seelische und körperliche Gesundheit der Jugendlichen haben muss.
Von Herzen grüßt
Veronika